latein alte Fachprüfungen

264 flashcards · Other · by Clemens Wolfmair

  1. Mausolus duos portus aedificaverat, alterum magnum, alterum minorem et apud montes latentem.

    Mausolus hatte 2 Häfen erbaut, den einen groß, den anderen Hafen kleiner und hinter Bergen verborgen.

  2. Post mortem eius Rhodii ad urbem accesserunt, ut regnum eius occuparent.

    Nach dessen Tod rückten die Rhodier an die Stadt heran, damit sie dessen Reich besetzten.

  3. Incolae regni Artemisiae, uxori Mausoli, paruerunt. Quod Rhodibus non placuit.

    Die Bewohner des Reichs gehorchten Artemisia, Gattin des Mausolus; dies gefiel den Rhodiern nicht.

  4. Artemisia naves in portu minore occultari iussit.

    Artemisia befahl die Schiffe im kleineren Hafen zu verstecken.

  5. Cum Rhodii navibus in portu maiore relictis in urbem venirent, magnus fuit clamor civium.

    Als die Rhodier mit den Schiffen, die im größeren Hafen geankert worden waren, zur Stadt kamen, war das Geschrei der Bürger groß.

  6. Artemisia enim imperaverat: "Urbem hostibus trademus!"

    Artemisia hatte nämlich befohlen: "Wir werden den Feinden die Stadt übergeben.!"

  7. Interea ipsa, navibus suis in mare eductis, classem hostium in altum abduxit.

    Inzwischen entführte sie selbst, nachdem ihre Schiffe ins Meer hinausgeführt worden sind, die Flotte der Feinde ins hohe Meer.

  8. Ita Rhodii, quia sine navibus fugere non potuerunt, in urbe sunt occisi.

    So sind die Rhodier, weil sie ohne Schiffe nicht fliehen konnten, in der Stadt getötet worden.

  9. Deinde Artemisia navibus Rhodiorum in insulam eorum venit.

    Dann kam Artemisia mit den Schiffen der Rhodier auf deren Insel.

  10. Illi autem, qui domi manserant, suos redire victores extistimaverunt.

    Jene aber, die zu Hause geblieben waren, glaubten, dass die ihren als Sieger zurückkehrten.

  11. Itaque fiebat, ut Rhodii hostes tamquam amicos reciperent.

    Daher geschah es, dass die Rhodier die Feinde wie Freunde aufnahmen.

  12. Ita insula Rhodiorum facile occupata est.

    So ist die Insel der Rhodier leicht besetzt/eingenommen worden.

  13. Aliquando certamen de pulchritudine dearum factum est. Arbitrium certaminis Paridi, pastori Troiano, a Iove mandatum est.

    Einst ist ein Steit über die Schönheit der Göttinnen gemacht worden. Die Entscheidung des Wettstreits ist dem Paris, einem trojanischen Hirten, von Jupiter übertragen worden.

  14. Itaque Iuno et Minerva et Venus ad eum venerunt et se ei ostenderunt.

    Daher kamen Juno, Minerva und Venus zu ihm und zeigten sich ihm.

  15. Iuno: „Si a te laudabor, imperium tibi magnum dabitur.“

    Juno: „Wenn ich von dir gelobt werde, werde ich dir ein großes Reich geben."

  16. Venus: „Si natura mea tibi magis placebit, statim uxorem tibi pulchram parabo.“

    Venus: „ Wenn dir meine Natur/Gestalt mehr gefallen wird/gefällt, werde ich dir sofort eine schöne Frau verschaffen.“

  17. Minerva: „Si a forma mea capieris, numquam ab hostibus vinceris.“

    Minerva: „Wenn du von meiner Gestalt ergriffen werden wirst/gefesselt wirst, wirst du niemals von Feinden besiegt werden.“

  18. Verbis dearum Paris valde motus tandem Venerem vicisse iudicavit.

    Paris, durch die Worte der Göttinnen sehr bewegt, urteilte schließlich, dass Venus gesiegt hatte.

  19. Postea Helena, uxor Menelai pulcherrima, a Paridi rapta et in Asiam ducta est.

    Später ist Helena, die sehr schöne Frau des Menelaos, von Paris geraubt und nach Asien geführt worden.

  20. Sed fraus Paridis a regibus Graecorum tolerata non est.

    Aber der Betrug des P. ist von den Königen der Griechen nicht ertragen toleriert worden.

  21. Qui classem navium magnam paraverunt et impetum in Troianos fecerunt.

    Diese bereiteten eine große Schiffsflotte vor und machten einen Angriff gegen die Trojaner.

  22. Itaque decem annos pugnatum est ante urbem, quae tandem a Graecis capta et deleta est.

    Daher ist 10 Jahre vor der Stadt gekämpft worden, die schließlich von den Griechen eingenommen und zerstört worden ist.

  23. Omnes homines consentiunt Ciceronem philosophum priscum et oratorem praeclarum fuisse.

    Alle Menschen sind sich einig, dass Ciceronem ein altertümlicher Philosoph und gerühmter Redner gewesen ist.

  24. Ex oppido Arpino Cicero primo Romam venit, deinde iter in Graeciam fecit, ubi artes oratoris didicit.

    Zuerst kam Cicero aus der Stadt A. nach Rom, dann reiste er nach Griechenland, wo er die Künste des Redens lernte.

  25. Postea Romam rediit.

    Danach kehrte er nach Rom zurück.

  26. Caesare rem publicam Romanam administrante, Cicero ex urbe decessit et in villam suam recessit.

    Während Cäsar den römischen Staat verwaltete, ging Cicero aus der Stadt und zog sich in sein Landhaus zurück.

  27. Tum autem Ligarius, qui adversarius Caesaris fuerat, accusatus est.

    Dann ist aber Ligarius, der ein Gegner Cäsars gewesen war, angeklagt worden.

  28. Caesar, cui nuntiatum erat Ciceronem eum defensurum esse, ad amicos dixit: „Post longum tempus illum oratorem illustrem audiemus. Consilium nostrum non vertet. Nam scimus Ligarium esse virum improbum et malum.“

    Cäsar, dem gemeldet worden war, dass Cicero ihn verteidigen wird, sagte zu den Freunden: "Nach langer Zeit werden wir jenen berühmten Redner hören. Unser Plan ändert sich nicht. Denn wir wissen, dass Ligarius ein böser und schlechter Mann ist."

  29. Sed Cicero vi orationis animum Caesaris valde movit.

    Aber Cicero bewegte durch die Kraft seiner Rede den Geist Cäsars sehr.

  30. Primum Caesar colorem mutavit, deinde libelli, quos tenebat, ex manibus in terram ceciderunt.

    Zuerst änderte Cäsar die Gesichtsfarbe, dann fielen die Akten, die er hielt, aus den Händen auf den Boden.

  31. Denique Caesar Ligarium dimisit liberum.

    Schließlich entließ Cäsar Cicero als freien (Mann).

  32. Caesar enim clementia et misericordia clarus erat.

    Cäsar war nämlich für seine Gilde und Bamherzigkeit bekannt.

  33. Antea senatores in curiam cum iuvenibus filiis introire solebant.

    Früher pflegten die Senatoren mit ihren jugendlichen Söhnen in die Senatssitzungen einzutreten.

  34. Aliquando senatoribus, cum in senatu res maior consultata eaque in diem posterum prolata est, placuit, ut eam rem ne quis enuntiaret.

    Einmal beschloss der Senat, als im Senat eine größere Sache beratschlagt wurde und diese auf den nächsten Tag verschoben worden ist, dass niemand diese Sache verraten darf.

  35. Mater Papirii, qui cum patre suo in curia fuerat, quaerit filium, quidnam in senatu patres egissent.

    Die Mutter des Papirius, der mit seinem Vater in der Senatssitung gewesen war, fragte den Sohn, was denn die Väter im Senat verhandelt haben.

  36. Puer respondit: „ Id dici non licet.“

    Der Junge antwortete: "Es ist nicht erlaubt, dass dies gesagt wird."

  37. Mater igitur quaerit compressius violentiusque.

    Die Mutter fragte also drängender und heftiger.

  38. Tum puer mendacii consilium capit.

    Dann fasst der Bub den Plan der Lüge (den Entschluss der Lüge).

  39. Dixit enim: „Actum in senatu, utrum videtur utilius pro re publica, ut unus duas uxores haberet, an ut una apud duos viros nupta esset.“

    Er sagte nämlich: "Verhandelt wurde im Senat, ob es nützlicher für den Staat gesehen wird, dass einer zwei Frauen hat oder dass eine mit 2 Männern verheiratet ist."

  40. Postquam mater hoc audiverat, domo egreditur, ad ceteras uxores properavit et iis narravit, quae filius ei dixerat.

    Nachdem die Mutter dies gehört hatte, ging sie aus dem Haus hinaus, eilte zu den übrigen Frauen und erzählte ihnen, was ihr Sohn gesagt hatte.

  41. Postridie erat magnus tumultus uxorum, quae ad senatum pervenerant.

    Am nächsten Tag war ein großer Aufruhr der Ehefrauen, die zum Senat gekommen waren.

  42. Uxores enim crediderunt mendacium Papirii verum esse.

    Die Ehefrauen haben nämlich geglaubt (glaubten) nämlich, dass die Lüge des Papirius die Wahrheit gewesen war.

  43. Penelopa, uxor ulixis, numquam desiit marito suo fidem servare, quamquam ille viginti annos aberant.

    Penelope, die Ehefrau des Odysseus, hörte niemals auf, ihren Mann auf die Treue zu halten, obwohl jener 20 Jahre abwesend war.

  44. Decimo denique anno nuntiatum erat Trojam deletam esse et Greacos, qui nondum perierant atque vixerunt, domum redisse.

    Im zehnten Jahr schließlich war verkündet worden, dass Troja zerstört worden sei und dass die Griechen, die noch nicht zugrunde gegangen waren und noch lebten, nach Hause zurück gekehrt seien.

  45. Plerique putaverunt Ulixem vita excessisse.

    Die meisten glaubten, dass Odysseus nicht mehr am Leben sei.

  46. Deinde multi iuvenes nobiles ad Penelopam apparuerunt et eam in matrimonium ducere voluerunt.

    Hierauf erschienen viele vornehme Jünglinge bei Penelope und wollten diese heiraten.

  47. Non puduit eos in Ulixis aedibus dies noctesque magnam copiam vini bibere et cena optima frui.

    Sie schämte sich nicht, dass sie im Haus des Odysseus Tage und Nächte lang eine große Menge Weines trinken und bestes Essen genießen.

  48. Servi Penelopae, qui libidinibus iuvenum profuerunt, ab iis donabantur.

    Diener der Penelope, die den Gelüsten der jungen Männer entgegenkamen, wurden von diesen beschenkt.

  49. Itaqui nonnulli servi aedes et dominam miseram reliquerunt.

    Daher verließen manche Diener das Haus und die arme Herrin.

  50. In dies odium iuvenum impudentium crevit.

    Von Tag zu Tag wuchs der Hass auf die unverschämten jungen Männer.

  51. Penelopa, simulac matrimonium iam non recusare potuit, dolum adhibuit.

    Sobald Penelope die Ehe nciht mehr verweigern konnte, wandte sie eine List an.

  52. Voce firma iuvenibus nuntiavit: "Marito vestem texam. Vobix exspectandum erit, dum hanc vestem perfecero."

    Mit kräftiger Stimme verkündete sie den jungen Männern: " Ich werde meinem Ehemann ein Kleid weben. Ihr müsst warten, bis ich dieses Kleid fertig gestellt haben werde."

  53. Tum vestem interdiu textam nonctu iterum retexuit. Ita iuvenes nobiles frustra exspectaverunt.

    Dann trennte sie das inzwischen gewebte Kleid nachts wiederum auf. So warteten die vornehmen Jünglinge vergeblich.

  54. Aliquando Romae maxima inopia frumenti erat.

    Einst war in Rom größte Not an Getreide.

  55. Omnes senatores his curis affecti secum reputaverunt: "Nisi celerrime frumentum importabimus, res in urbe pessimae erunt.

    Alle mit diesen Sorgen beschäftigten Senatorern überlegten bei sich: Wenn wir nicht schnellstens Getreide einführen werden, wird die Lage in der Stadt sehr schlimm sein."

  56. Cives enim nihil frumenti habere videntur.

    Die Bürger scheinen nämlich kein Getreide zu haben.

  57. Pompeius autem vir audacissimus esse dicitur, quem rei frumenatriae praeficiemus.

    Pompeius aber soll ein sehr kühner Mann sein, den wir an die Spitze der Getreideversorgung stellen werden.

  58. Is nobis frumentum ex Africa protabit.

    Dieser wird uns das Getreide aus Afrika bringen.

  59. Postquam Pompeius in Africam navigavit et magnam frumenti copiam paravit, naves tempestate ingenti in portu diu retinebantur.

    Nachdem Pompeius nach Afrika gesegelt war und eine große Menge Getreide bereitet hatte, wurden die Schiffe durch ein ungeheures Gewitter lange im Hafen zurückgehalten.

  60. Nautae igitur in naves non ascenderunt.

    Die Matrosen besiegten daher nicht die Schiffe.

  61. Quidam eorum dixit: "Non navigabimus, sed hic manentes finem tempestatis exspectabimus.

    Irgendeiner von diesen sagte: "wir werden nicht absegeln, sondern hier bleiben und das Ende des Unwetters abwarten."

  62. Tum nulla hieme prohibiti portum tuti relinquere poterimus.

    Dann werden wir durch keinen Wintersturm behindert, den Hafen sicher verlassen können.

  63. Mare enim infestum esse videtur.

    Das Meer scheint nämlich bedrohlich zu sein.

  64. Pompeius autem haec verba audiens primus in navem insiluit et magna voce exclamavit: "Navigare necesse est, vivere non est necesse."

    Als Pompeius aber diese Worte hörte, sprang er als erster auf das Schiff und rief mit lauter Stimme: "zu segeln ist notwendig, zu leben ist nicht notwendig."

  65. Nonnullos dies post ad portum patriae perveniunt.

    Einige Tage später gelangen sie zum Hafen der Heimat.

  66. Aliquando Alexander Magnus iter corinthum fecit, quod Diogenem philosophum clarum videre volebat.

    Einst machte Alexander der Große eine Reise nach Korinth, weil er den berühmten Philosophen Diogenes sehen wollte.

  67. Multi clarissimi Graeci regem salutare cupientes obviam ierunt.

    Viele sehr berühmte Griechen gingen (kamen ihm) entgegen und wünschten den König zu grüßen.

  68. Diogenes autem, ille philosophus, in silva proe urbem sita habitans hospitem praeclarum salutare noluit.

    Diogenes aber, jener Philosoph, der im nahe der Stadt gelegenen Wald wohnte, weigerte sich, (verweigerte, wollte nicht), den berühmten Fremden (Gast) (zu) grüßen.

  69. Alexander hoc audiens dixit: "Diogenes mihi homo insignis esse videtur. Ad domum eius duci cupio."

    Dies hörte Alexander und sagte: „Es scheint mir, dass Diogenes ein außergewöhnlicher Mensch ist.“ Ich wünsche zu seinem Haus geführt zu werden.“

  70. Ad philosophum igitur ante domum in sole sedentem ductus est. "Salve!" Alexander inquit.

    Er wurde daher zum vor dem Haus in der Sonne sitzenden Philosophen geführt. „Sei gegrüßt!“ sagte Alexander.

  71. "Maxima beneficia tibi reddam, magnam auri copiam tibi dabo, si unum verbum dices."

    „Ich werde dir die größten Wohltaten erweisen und ich werde dir eine große Menge des Goldes (Gold) geben, wenn du (nur) ein Wort sagst.“

  72. Sed Diogenes, qui in sole dormire voluit, hoc moelste tulit et regem neglegens respondit

    Aber Diogenes, der in der Sonne schlafen wollte, ärgerte sich über dieses (od. ertrug unangenehmer) und antwortete, den König nicht beachtend:

  73. Potesne abire paululum a sole? Hoc unum oro. In umbra enim non libenter sedeo."

    Könntest du (nicht) ein bisschen aus der Sonne gehen? Dieses eine wünsche ich. Im Schatten sitze ich nämlich nicht gerne (ungerne)."

  74. Tum Alexander summa admiratione exclamavit: "non omnes eadem optant."

    Daraufhin rief Alexander mit größter Bewunderung aus: „Nicht alle wählen dieselben Dinge.“

  75. Porsenna Romam appropinquaverat et urbem expugnare in animo habebat.

    Porsenna hatte sich Rom genähert und im Sinn die Stadt zu erobern.

  76. Tum Gaius Mucius Scaevola, adulescens nobilis, senatibus inquit: "Periculo nun imminente, populum a metu liberabo. In castra hostium invadam et regem occidam."

    Daraufhin sagte Gaius Mucius Scaevola, ein adeliger Jüngling, dem Senat (zu den Senatoren): Nun ist die Gefahr gegenwärtig, ich werde das Volk von der Angst befreien. Ins Lager der Feinde werde ich eindringen und den König werde ich töten."

  77. Mucius et complures iuvenes Romani gladiis in vestes abditis in castra Porsennae pervenerunt.

    Mucius und mehrere römische Jünglinge (jugendliche Römer) kamen mit in der Kleidung versteckten Schwertern ins Lager des Porsenna.

  78. Custodes Etruscorum enim dormiverant.

    Die Wächter der Etrusker hatten nämlich geschlafen.

  79. Sed quia nox erat, Romani regem non inveniebant.

    Aber weil Nacht war, fanden die Römer den König nicht.

  80. Pro eo scribam ante tentorium sedentem occiderunt.

    Statt ihn töteten sie den vor dem Zelt sitzenden Schreiber.

  81. Clamore scribae audito, milites hostium celeri gradu accesserunt.

    Nachdem sie das Geschrei des Schreibers gehört hatten, näherten sich die Soldaten des Feindes mit schnellem Schritt.

  82. Deinde hostes scribam a Romanis occisum conspiciebant.

    Dann erblickten die Feinde den von den Römern getöteten Sekretär.

  83. Statim Romanos in castris quaerebant et mox eos invenerunt.

    Sofort suchten sie die Römer im Lager und bald fanden sie sie.

  84. Duobus Romanis interfectis, duodeviginti iuvenes ab Etruscis comprehendebantur et ad regem ducti sunt.

    Nachdem sie 2 Römer getötet hatten , sind 18 Jünglinge von den Etruskern gefasst und zum König geführt worden.

  85. Porsenna Romanos ad magnum ignem duci iussit et clamabat:

    Porsenna befahl, dass die Römer zum großen Feuer geführt werden und er rief aus.

  86. "Vos statim in illas flammas conici iubebo! Sed antea cruciatibus afficemini!"

    Ich befehle, dass ihr sofort zu diesen Flammen geführt werdet. Aber vorher werdet ihr mit Qual behandelt (Gefoltert, gequält).

  87. Daedalus, qui Athenis plurima aedificia statuasque eximiae pulchritudinis aedificaverat, filium sororis necavit, quod illi maius ingenium fuit.

    Daedalus, der in Athen die meisten Gebäude und Statuen von außerordentlicher Schönheit erbaut hatte, tötete den Sohn der Schwester, weil jener ein größeres Talent hatte.

  88. Ob hoc crimen accusatus puppim solvere et in Cretam navigare decervit. Ibi a rege Minoe labyrinthum aedificare iussus est.

    Wegen dieses Verbrechens verurteilt, beschloss er sein Schiff zu zahlen und nach Kreta zu segeln. Dort ist ihm von König Minos befohlen worden ein Labyrinth zu erbauen.

  89. Nonnullis annis post Daedalus cum filio in patriam remigrare in animo habuit, sed Minos vetuit.

    Einige Jahre später hatte D. im Sinn mit dem Sohn in die Heimat zurückzuwandern, aber Minos verbot es.

  90. Ergo Daedalus secum cogitavit: „Quod nobis cunctae viae clausae sunt, alia via domum migrabimus. Minos quidem terram et mare possidet, sed non possidet caelum!“

    Also dachte D. bei sich: „Weil alle Wege für uns verschlossen sind, werden wir auf anderem Weg nach Hause wandern. Minos besitzt zwar Land und Meer, aber er besitzt den Himmel nicht!“

  91. Tum mira arte novum opus aedificavit, quod nemo antea viderat:

    Dann erbaute er mit wunderbarer Kunst ein neues Werk, das niemand vorher gesehen hatte:

  92. Pennis in litore repertis alas confecit. Nam ponit in ordine pennas a minima coeptas, longas breviores sequuntur.

    Nachdem Federn an der Küste gefunden worden waren, fertigte er Flügel an. Denn er legt die Federn, von der kleinsten begonnen, in Reihe auf, die langen folgen den kürzeren.

  93. Tum lino medias et ceris imas alligat, atque ita alas parvo curvamine flectit, ut aves imitetur.

    Dann verbinde er die mittleren mit einem Faden, die inneren mit Wachs, und so biegt er die Flügel mit einer kleinen Krümmung, dass er Vögel imitiert.

  94. Quantus est numerus poetarum ingeniosorum, quos Graecia Italiaque generaverunt.

    Wie groß ist die Anzahl der Dichter, die Griechenland und Italien hervorgebracht haben.

  95. Quis ignorat, quot illorum poemata, fabulae, narrationes, similia adhuc poetis nostrae aetatis admirationi et exemplo sint?

    Wer weiß nicht, wie viele jener Geschichten, Fabeln, Erzählungen und Ähnliches bis jetzt den Dichtern unserer Zeit als Beispiel und zur Bewunderung dienen?

  96. Unus poetarum, qui saepe homines educare et delectare studebat, haec narravit:

    Einer der Dichter, der sich oft bemühte Menschen zu erziehen und zu erfreuen, erzählte dies:

  97. Homini nobili ciudam complures filii erant. Aliquando magna controversia inter eos fuit.

    Ein gewisser, nobler Mensch (Adeliger) hatte mehrere Söhne. Irgendwann einmal gab es einen großen Streit zwischen ihnen.

  98. Frustra pater imperabat, ut filii concordiam inter se restituerent.

    Der Vater befahl vergeblich, dass die Söhne die Eintracht zwischen sich wiederherstellen.

  99. Tandem: „Virgulas“, inquit, „mihi conquirite!“ Deinde virgulas, quas filii conquisiverant, in unum fasciculum colligavit et eum colligatum filiis tradidit, ut fragerent.

    Schließlich sagte er: Sucht mir (für mich) Zweige zusammen. Daraufhin schnürte er die Zweige, die die Söhne zusammengesucht hatten zu einem Bündel zusammen und dieses zusammengeschnürte Bündel gab er den Söhnen, damit sie es brechen.

  100. Filii autem frustra laborabant. Deinde pater nodum fasciculi solvit et singulas virgulas eis tradidit, ut frangerent.

    Die Söhne aber bemühten sich vergeblich. Daraufhin löste der Vater den Knoten des Bündels und gab ihnen die einzelnen Zweige, damit sie sie brechen.