RPH - Offene Fragen - Stand 2019 (JKU, Austria)

54 flashcards · Philosophy · by daniel-eder

  1. Universalität der Menschenrechte: Erörtern Sie den Vorwurf der Eurozentrizität.

    Eurozentrizität: Menschenrechte sind ein westliches Konstrukt mit beschränkter Anwendbarkeit, ein kulturimperalistisches Produkt zur Propagierung von abendländischer Wertvorstellungen verpflichtet einem ausschließlich individualistischen Menschenbild

  2. Was versteht man unter „Menschenrechte der dritten Generation“?

    Kollektive Rechte von Staaten ggü anderen Staaten Recht auf Entwicklung Recht auf Frieden Selbstbestimmung Kultur

  3. Kann es nach Kelsen „gesetzliches Unrecht“ geben? Erörtern Sie

    Nein Kelsen ist Urvater des Rechtspositivismus Recht und Moral werden streng getrennt Es kann kein "gesetzliches Unrecht" geben, weil die Frage des Unrechts gar nicht thematisiert wird

  4. Erörtern Sie anhand eines „tragic choice“ Beispiels die Problematik der Menschenwürde.

    Entführung von Jakob von Metzler Polizei vermutete, dass Opfer noch lebt, aber in Lebensgefahr ist Vizepolizeipräsident traf Entscheidung: Entführer wird Folter angedroht, um Aufenthaltsort des Opfers preiszugeben Kind gefunden, aber tot Entscheidung iSd Gewissensfreiheit: Situative Normdurchbrechung durch Viezpolizeipräsdident Rechtslage war klar: absolutes Folterverbot Folge: Verurteilung

  5. Erörtern Sie anhand jeweils zweier Vertreter die Unterschiede materialer und formaler Rechtsbegriffe.

    materiale Rechtsbegriffe folgen naturrechtlich/rechtsmoralischen Theorien Platon Alles Wissen in Seele schon vorhanden, bei Geburt nur vergessen Auch Recht daher vollkommen und unwandelbar Kant Vernunft und Selbstbestimmung im Mittelpunkt Es gibt ein angeborenes Recht: Freiheit formale Rechtsbegriffe folgen rechtspositivistischen Konzepten Recht gilt, egal ob gerecht oder ungerecht Kelsen Sollen kann nur auf ein Sollen, eine Norm nur auf eine ranghöhere Norm zurückgeführt werden An der Spitze s…

  6. Dworkin, Hart, Fuller! Wodurch unterschieden sie sich deutlich in ihren Konzepten?

    Hart Rechtspositivismus: Trennung von Recht und Moral Recht besteht aus: Primärregeln = Verhaltensregeln Sekundärregeln = Ermächtigungsregeln = Umgang mit den Primärregeln Dworkin lehnt Rechtspositivismus ab Es muss auch Prinzipien geben, die die Regeln rechtfertigen Bei Regelkonflikten kann eines keine gültige Regel sein Fuller Sieht Korrelation von Recht und Moral Gesetze haben sich anhand von Prinzipien welche die innere Moral des Rechts darstellen zu orientieren

  7. Naturrecht oder Rechtspositivismus: eine Scheinalternative? Erörtern Sie.

    Rechtspositivismus Trennt Recht und Moral strikt Naturrecht Recht geht auf Natur des Menschen und menschliche Vernunft zurück Frontstellung der beiden greift zu kurz! keine Vorinstanz zur Klärung der Inhalte des Naturrechts keine Maßstäbe für rechtsmoralische Richtigkeit der Inhalt des positiven Rechts -> es gibt keinen Weg mehr aus der positiven Ordnung aber Naturrecht sollte als Leitprinzip für Rechtssetzung dienen

  8. Was ist Gegenstandsbereich der Rechtsphilosophie?

    Recht und Gerechtigkeitsvorstellungen prüft positives Recht auf Gerechtigkeit

  9. Was ist der Gegenstandsbereich von Rechtstheorie und Rechtsethik?

    Rechtstheorie Schlüssigkeit von Rechtssätzen und Erkenntnisgewinnung Orientiert an Sprachphilosophie, Linguistik, Logik und Mathematik Rechtsethik Verhältnis von Recht und Moral Moral ist ein erwartetes Verhalten, das von der Moralität herrührt Recht ist ein erwartetes Verhalten, das von der Rechtsordnung herrührt

  10. Erörtern Sie den Einfluss der Säkularisierung auf die Entwicklung von Menschenrechten

    Säkularisierung: Trennung des Staates von der Kirche = Verweltlichung Menschenrechtliche Elemente gab es schon in Religionen z.B.: jüdisch-christliche Idee vom Menschen als Ebenbild Gottes Aber wesentlich war der Beitrag des Naturrechtlichen Denkens - dem Vernunftrecht der Aufklärung Trennt die Menschenrechtsidee von theologischen Geboten Menschenrechte werden als fundamentales Recht, das jedem Menschen zukommt entwickelt

  11. Erläutern Sie das Menschenbild bei Aristoteles

    Aristoteles Mensch als soziales Wesen Streben nach Wissen, nach Gut und nach Leben in Gemeinschaft liegt in seiner Natur Mensch kann Ziel nur im Staat erreichen wer außerhalb des Staates lebt, ist Tier oder Gott

  12. Erläutern Sie das Menschenbild bei Hobbes

    Hobbes Mensch ist ein Wesen, das nichts mehr fürchtet, als den gewaltsamen Tod Hobbes Menschenbild ist von Kriegt und blutigen Konflikten geprägt Pessimistisches Menschenbild er geht von einem Naturrecht auf Selbsterhaltung aus

  13. Erläutern Sie das Menschenbild bei Locke

    Locke optimistischeres Menschenbild als Hobbes Urvater des Liberalismus Mensch hat im Naturzustand bereits fundamentale Rechte ("Property") aber die Durchsetzung ist nicht sichergestellt Im Naturzustand ist Mensch also auf Selbstjustiz angewiesen

  14. Erläutern Sie das Menschenbild bei Rousseau

    Rousseau Mensch ist im Naturzustand Bedürfnisarm und lebt isoliert Unterschied zum Tier: Fähigkeit der Vervollkommnung Der Mensch ist von Haus aus Gut geprägt von Selbstliebe und Mitleid Mit Vergesellschaftung (Abweichung von Naturzustand) gibt er Genügsamkeit auf schlägt in Selbstsucht um

  15. Ist die Radbruch’sche Formel ein geeignetes Mittel zur Bewältigung von „ungerechtem Recht“? Erörtern Sie.

    Radbruch'sche Formel: Unerträglichkeitsformel Richter hat sich nur dann gegen das Gesetz zu entscheiden, wenn das Gesetz unerträglich ungerecht ist oder die Gleichheit aller Menschen bewusst verleugnet Insbesondere ex post zur Bewältigung von ungerechtem Recht geeignet wurde verwendet zur Bekämpfung von NS-Normen und nach Wiedervereinigung Deutschlands in den Mauerschützen-Prozessen

  16. Erläutern Sie den Wendepunkt, den Kant für die rechtsphilosophische Diskussion markiert.

    die "kopernikanische Wende" vorher richtet sich die Erkenntnis nach den Gegenständen seit Kant richten sich die Gegenstände nach der Erkenntnis Kant sah eine Umänderung der Denkart in der Philosophie vor wie bei Kopernikus in der Kosmologie

  17. Die Naturrechtslehre leitet präpositives Recht aus der Natur des Menschen, der göttlichen Schöpfungsordnung sowie der menschlichen Vernunft ab. Nennen Sie je einen Vertreter für die jeweilige Rechtserkenntnisquelle und skizzieren Sie kurz dessen Sichtweise.

    Recht aus der Natur des Menschen Hobbes In der Natur würden sich die Menschen gegenseitig jagen währen ständig in Gefahr und müssten in Angst leben Gesellschaftsvertrag kann diesen Zustand ändern Recht aus der göttlichen Schöpfungsordnung Platon Wissen ist in unsterblicher Seele schon immer vorhanden wurde aber bei Geburt Vergessen demnach ist auch Rechtsidee unwandelbar Recht aus der menschlichen Vernunft Aristoteles Mensch ist soziales Wesen Streben nach Wissen, nach Gut und nach Leben in Gem…

  18. Welche Aspekte der Säkularisierung unterscheidet Jose Casanova?

    Differentiation thesis Trennung von Staat und Kirche Decline of religion thesis Der Rückgang der Selbstverständlichkeit, mit der religiöse Überzeugungen und Verhaltensweisen in der Gesellschaft präsent sind -> Bedeutungsverlust Privatization thesis Verlagerung religiöser Entscheidungen in die Privatsphäre

  19. Welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede weist das Religionsrecht des heutigen Europa auf?

    Gemeinsamkeiten Umfassende Gewährleistung der individuellen Religionsfreiheit Religiöse Neutralität der Staaten - allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen Unterschiede Verbindungssysteme Elemente des Staatskirchentums wurden erhalten England, Skandinavien Kooperationssysteme institutionelle Trennung von Staat und Kirche aber religiöse Bezüge in staatlicher Öffentlichkeitsarbeit vorhanden Österreich Trennungssystem Privatisierung religiöser Interessen Strikte Trennung von Staat und Kirche Fr…

  20. Inwieweit sollte der Gedanke politischer Souveränität in der Neuzeit den religiösen Frieden in Europa sicherstellen?

    Zweck der neuen politischen Ordnung nach dem Westfälischen Frieden liegt nach Hobbes in Sicherheit und Selbsterhaltung nicht in Durchsetzung religiöser Wahrheitsansprüche Recht wird durch Macht begründet, nicht durch Rekurs auf Wahrheit oder Glauben Für den Bestand neuzeitlicher Staaten war jedoch die größte Gefahr die Teilung der Souveränität daher bestand der Staat aus politischen Gründen auf religiöse Einheit

  21. Welche Unterschiede bestehen zwischen „Toleranz“ und „Anerkennung“ verschiedener Konfessionen?

    Toleranz = Duldung erlaubt wurde Privatexercitium, nicht aber öffentliche Religionsausübung Anerkennung = Gleichstellung öffentliche Religionsausübung Verleihung der öffentlich-rechtlichen Rechtspersönlichkeit

  22. Wie kennzeichnet Thomas Hobbes den vorstaatlichen Zustand des Menschen?

    Zitat: "Der Mensch ist dem Menschen ist ein Wolf" "Krieg aller gegen Alle Keine Vorstellung von Recht und Unrecht jeder hat ein Recht auf alles Keine Gerechtigkeitsgrundsätze nur individuelle Nutzenmaximierung -> Naturrecht auf Selbsterhaltung

  23. Wodurch ist der Gesellschaftsvertrag bei Thomas Hobbes charakterisiert

    Vorbehaltlose Übertragung der Macht bzw Individuellen Rechte an den Staat Macht des Staates nur eingeschränkt durch Notwendigkeit der Friedenssicherung Staat garantiert dafür Sicherheit

  24. Inwiefern kommt im Hobbes’schen Staatskonzept der Souveränitätsgedanke deutlich zum Ausdruck?

    Rechtssetzung durch den Souverän = Staat Staat hat unbeschränkte allumfassende Macht da Bürger vorbehaltlos alle Macht an den Staat übertragen

  25. Wie unterscheiden sich die Gesellschaftsverträge bei Thomas Hobbes und John Locke?

    Hobbes Naturzustand: Krieg aller gegen Alle daher Errichtung einer starken Staatsgewalt unbeschränkte allumfassende Macht Beschränkt nur durch Notwendigkeit der Friedenssicherung Locke Sieht Naturzustand nicht als Auslöser für Krieg Staat wird zum "Treuhänder" der Durchsetzung der Rechte Die Legislative ist verpflichtet für Gerechtigkeit zu sorgen

  26. Warum kommt es nach John Locke zu einem Gesellschaftsvertrag?

    Das Naturgesetz umfasst für alle: life, liberty and estates Problem ist die Durchsetzung Staat hat Aufgabe die Einhaltung zu überwachen Damit es nicht zu Absolutismus kommt: Der Staat soll von allen Menschen legitimiert werden Freiwillige und individuelle Bindung der Bürger

  27. Wie begründet John Locke das Widerstandsrecht gegen den Staat?

    Im Gesellschaftsvertrag gehen die Menschen eine freiwillige und individuelle Bindung ein Dem Staat wird die Durchsetzung der Rechte treuhänderisch übergeben Missbraucht der Staat das Vertrauen der Menschen, berechtigt dies zum Widerstand

  28. Welche Schranken kennt John Locke in seiner Eigentumstheorie?

    Suffizienz-Klausel Es muss „genug und ebenso gutes den anderen gemeinsam verbleiben.“ Verderbens-Klausel Ein Mensch darf nur so viel aneignen wie er zu seinem Vorteil gebrauchen kann, bevor es verdirbt Was darüber hinausgeht gehört anderen.

  29. Inwiefern ist John Locke ein typischer „liberaler“ Staatsdenker?

    Widerstandsrecht, wenn Staat das Vertrauen der Menschen missbraucht Angeborene Rechte der Menschen: Life, Liberty and Estates

  30. Inwieweit stellt der Gesellschaftsvertrag nach Jean-Jacques Rousseau keine „Rückkehr zur Natur“ des Menschen dar?

    Im Naturzustand ist der Mensch bedürfnisarm geprägt von Selbstliebe und Mitleid Mit Vergesellschaftung wird die Genügsamkeit aufgegeben und es kommt zur Selbstsucht Der zivilisierte Mensch kann nicht zurück, er hat die Genügsamkeit aufgegeben und ist durch Eigentum in Klassen geteilt Gesellschaftsvertrag soll ermöglichen sich dennoch wieder frei zu fühlen

  31. Worin besteht nach Jean-Jacques Rousseau der Unterschied zwischen einer „volonté général“ und einer „volonté de tous“?

    Volonté général Gemeinwille: Representiert das Gemeininteresse ist unfehlbar, kann nicht irren denn er zeigt, was die Gemeinschaft der Bürger tun würde Volonté de tous Gesamtwille: Summe der Einzelwillen, gerichtet auf das Partikularinteresse nicht unfehlbar

  32. Welche Entwicklungen führen nach Jean-Jacques Rousseau zur Notwendigkeit eines Gesellschaftsvertrags?

    Einführung des Privateigentums spaltet die Gesellschaft in Klassen Der Eigentümer unterdrückt seine Knechte es entsteht ein alles verschlingender Ehrgeiz künstliche Leidenschaften Sucht, sein Glück auf Kosten anderer zu machen

  33. Welche Rolle spielt die „Zivilreligion“ in Jean-Jacques Rousseaus politischer Philosophie?

    Unterscheidet 4 Arten der Religion 1-3: Religion des Menschen, Bürgers und Priesters sind den politischen Erfordernissen nicht gewachsen Krieg, Machtmissbrauch 4: Zivilreligion bürgerliches, verpflichtendes Glaubensbekenntnis mit einfachen Dogmen

  34. Welche Faktoren führen nach John Rawls zu vernünftigen Meinungsverschiedenheiten in gesellschaftlichen Fragen?

    Anerkennung der Bürden des Urteilens und Unterstützung der Idee des politischen Liberalismus Erkennen, dass diese Sichtweisen nur für eigene Anhänger gelten und keine allgemeine, gesellschaftliche Verbindlichkeit beanspruchen können.

  35. Worin besteht nach John Rawls der Unterschied zwischen einem bloßen modus vivendi und einem übergreifenden Konsens in Hinblick auf die Grundstruktur einer Gesellschaft?

    modus vivendi unterschiedlichen Lehren existieren nebeneinander aber: Ist bloß ein "Gleichgewicht des Schreckens" hat eine Seite die Gelegenheit ihre Ansprüche durchzusetzen, geht der modus vivendi zu Bruche z.B. Konfessionskriege "Übergreifender Konsens" die unterschiedlichen Lehren stimmen der politischen Gerechtigkeitskonzeption jeweils von ihrem eigenen Standpunkt aus zu d.h von innen heraus

  36. Anhand welcher Kriterien lässt sich die Rechtfertigung eines zivilen Ungehorsams nach John Rawls prüfen?

    Ziviler Ungehorsam muss ... Muss sich gegen wesentliche und eindeutige Ungerechtigkeit richten etwa Grundrechte nicht gewahrt oder Grundsatz der fairen Chancengleichheit missachtet Muss der letzte Ausweg sein Muss fair erfolgen öffentliche Ordnung darf nicht unter zivilem Ungehorsam zusammenbrechen Muss klug erfolgen Aktionen des zivilen Ungehorsams müssen vernünftig geplant sein

  37. Welche Annahmen hinterfragt die Ethik als kritische Reflexion der Moral?

    warum ein bestimmtes Verhalten verboten oder erlaubt ist wie eine moralische Verhaltensanforderung begründet werden kann inwiefern eine Verhaltensanforderung Ausdruck der Moral sein soll

  38. Inwiefern ist die Diskussion um „Staatsziele“ rechtsethisch relevant?

    Staatsziele dienen der gesellschaftlichen Optimierung ethische Beurteilung daher wichtig es ist eine ethische Frage ob und welche Staatsziele Teil einer Verfassung sein sollen

  39. Wie lässt sich eine „Entmoralisierung“ des Rechts beschreiben?

    moralnahe Tatbestände in der Rechtsordnung werden reduziert Beispiele: Abschaffung .. der Folter der Strafe bei Suizidversuch der Todesstrafe der Strafbarkeit des Ehebruchs

  40. Wie lässt sich eine „Remoralisierung“ des Rechts beschreiben?

    Weiterentwicklung der Rechtsordnung unter moralischen Gesichtspunkten Beispiele: Verschärfung des Sexualstrafrechts Verschärfung des Antikorruptionsstrafrechts Einführung einer rechtlich anerkannten gleichgeschlechtlichen Partnerschaft

  41. Welche rechtsethischen Probleme sind mit dem Konsequenzialisums bzw Utilitarismus verbunden?

    Pragmatisches Problem Für den Utilitarismus ist der Nutzenbegriff zentral, aber es gibt keine Einigkeit was Nutzen ist bzw. wie Nutzen adäquat zu messen ist Grundsätzliches Problem Der Utilitarismus kann keine unbedingten Rechten und Pflichten begründen, und daher den Gedanken von Grund- und Menschenrechten (= unbedingten Rechten) nicht in sein System integrieren. Motivationales Problem Möchte man streng utilitaristisch entscheiden, muss man bereit sein, eigene Nachteile zum Vorteil aller zu ak…

  42. Wodurch unterscheidet sich eine konsequenzialistische von einer deontologischen Bewertung der „Rettungsfolter“?

    Konsequenzialistische Bewertung Bewertung der Handlung nur nach der Konsequenz Folter gerechtfertigt, wenn dadurch Menschenleben gerettet werden Deontologische Bewertung Bewertung einer Handlung nach der Intention, unabhängig von der Konsequenz Rettungsfolter nicht gerechtfertigt, da eine utilitaristische Kalkulation dahinter steht "Aufrechnen" von Menschenleben Diese steht aber im Widerspruch zum Recht jedes einzelnen Menschen vor Folter oder Tötung durch den Staat bewahrt zu bleiben

  43. Was versteht man unter einem „normativistischen“, was unter einem „empiristischen“ Fehlschluss?

    Normativistischer Fehlschuss leitet aus moralischen Idealen unvermittelt Forderungen an das Handeln und Entscheiden ab, ohne auf das faktisch in einer Situation Gegebene einzugehen. Empiristischer Fehlschuss leitet aus den gegebenen Bedingungen unvermittelt Forderungen an das Handeln und Entscheiden ab ohne auf Gesichtspunkte des Gerechten einzugehen.

  44. Erläutern Sie das Prinzip der „praktischen Konkordanz“ für die Lösung von Rechts- bzw. Güterkonflikten.

    Verfassungsrechtlich geschützte Rechtsgüter müssen in der Problemlösung einander so zugeordnet werden, dass jedes von ihnen Wirklichkeit gewinnt. beiden Gütern müssen Grenzen gesetzt werden, damit beide zu optimaler Wirksamkeit gelangen können. Die Grenzziehung kann nicht abstrakt und ein für allemal erfolgen, sondern muss auf die konkreten Umstände des Einzelfalls eingehen Die Grenzziehungen müssen weiters verhältnismäßig sein

  45. Was ist das Verhältnismäßigkeitsprinzip iSd "praktischen Konkordanz"?

    Eingriff muss eine gesetzliche Grundlage haben Eingriff muss ein legitimes Ziel verfolgen Das Mittel muss geeignet sein, das Ziel zu erreichen Das Mittel muss notwendig sein (= das gelindeste Mittel) Der Eingriff muss angemessen sein

  46. Inwiefern gilt Sokrates als Beispiel für einen „rechtschaffenen“ Menschen?

    Sokrates wurde in einem Volksprozess zum Tode verurteilt. Er machte seine Entscheidung nicht von der Meinung der Menge abhängig. Er achtete die gesellschaftliche Ordnung mit ihren Gerichtsurteilen. Er ertrug Unrecht, statt selbst Unrecht zu tun.

  47. Wodurch unterscheiden sich egalitäre von proportionalen Ansätzen der Verteilungsgerechtigkeit?

    Egalitäre Ansätze präferieren Verteilungsmaßstäbe, die auf Gleichheit abzielen z.B.: Wohnortnähe bei der Planung von Gesundheitseinrichtungen Proportionale Ansätze präferieren Verteilungsmaßstäbe, die auf Ungleichheit abzielen z.B.: soziale Bedürftigkeit bei Gebührenbefreiung

  48. Durch welche Kriterien kann die Verfahrensgerechtigkeit näherhin beschrieben werden?

    Unbefangenheit unabhängige Richter Unparteilichkeit wer entscheidet, soll die Parteien gleich behandeln Partizipation Wer von einer Entscheidung betroffen ist, soll teilnehmen können Transparenz Entscheidungen sollen nachvollziehbar sein Beweislastverteilung z.B.: Unschuldsvermutung Vertrauensschutz Bei von Entscheidung Betroffenen soll nicht überraschend in ihre Rechte eingegriffen werden z.B.: Rückwirkungsverbot im Strafrecht Waffengleichheit reale Chancen zur Beteiligung in der Entscheidungs…

  49. Wie begründet John Rawls die „Grundsätze der Gerechtigkeit“?

    Prinzip gleicher Freiheit (liberales Prinzip) Jede Person hat den gleichen unabdingbaren Anspruch auf ein völlig adäquates System gleicher Grundfreiheiten, das mit demselben System von Freiheiten für alle vereinbar ist. -> gleiche Grundfreiheiten für jeden Prinzip fairer Ungleichheit (egalitäres Prinzip) Soziale und ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: Faire Chancengleichheit "erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die unter Bedingungen fairer Chanc…

  50. Welche Aufgaben hat die Rechtsethik in der Medizin zu erfüllen?

    Sensibilisierung des Rechts für Ethik Sensibilisierung der Ethik für das Recht Sensibilisierung der Medizin für Ethik und Recht

  51. Erläutern Sie die Bedeutung der vier Prinzipien der Rechtsethik in der Medizin für Rechtssetzung, Rechtsanwendung und Rechtsprechung.

    Respekt vor der Selbstbestimmung medizinische Behandlung nie gegen den Willen des Patienten Nichtschaden Garantenstellung der Medizin - Pflicht den Schaden vom Patienten abzuwenden Wohltun allgemeines Wohl d.h. Krankheit verhindern, Gesundheit wiederherstellen, Leiden lindern Gerechtigkeit in der Verteilung von Medikamenten, Organen Soziale Gerechtigkeit Verfahrensgleichheit Persönliche Gerechtigkeit

  52. Welche rechtsethischen Probleme ergeben sich im Zusammenhang mit der Aufklärung des Informed Consent?

    Einsichts- und Urteilsfähigkeit der Patient muss kognitiv in der Lage sein die Umstände seiner Erkrankung und die med. Zusammenhänge zu verstehen um sich ein Urteil zu bilden Aufklärung Ziel der Aufklärung soll sein, dass sich der Patient selbstbestimmt Entscheiden kann Problem ist, dass die Aufklärung oft als "Pflichtaufgabe" gesehen wird also zur juristischen Absicherung

  53. Erläutern Sie die Argumente, die für und gegen eine Legalisierung der Suizidbeihilfe bzw. Tötung auf Verlangen in der rechtsethischen Debatte vorgebracht werden

    Pro Grundsatz des Selbstbestimmungsrechts keinem Menschen soll eine Pflicht zum Leben auferlegt werden Vermeidung von Dilemmasituationen mit Angehörigen Keine Gewissensnot (Angst vor Strafe vs Angst Suizidwilligen im Stich zu lassen) wenn der Suizidwillige um Beihilfe/Ausführung bittet Kontra Schwierigkeit der Feststellung der Selbstbestimmungsfähigkeit insb weil viele Sterbewillige zugleich an Depression erkranken oder Patienten im frühen Krankheitsstadium den Wunsch äußern, aber in späterem S…

  54. Gerechtigkeit als Kunst der Trennung (Michael Walzer)

    Für Walzer besteht der zentrale Gedanke des Liberalismus in einer Ausdifferenzierung verschiedener Lebensbereiche. Grenzziehung zwischen diesen Bereichen schafft Freiheit dient dem Schutz der Integrität jedes Bereichs Trennung ist Aufgabe des Staats -> Staat ist dem liberalen Gedanken verpflichtet Für Walzer begeht der klassische Liberalismus den Fehler über alle Lebensbereiche hinweg einen einheitlichen Maßstab der Gerechtigkeit zu verwenden "simple Gleichheit" Walzer plädiert für "komplexe Gl…