Fallprüfungsschemata
Strafrecht II, JKU (Stand 2026)
18 flashcards · Law · by tubamalik
Vollendungsprüfung
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Handlung b) Erfolg c) Kausalität Subjektiver Tatbestand a) Vorsatz b) erweiterter Vorsatz Objektive Zurechnung a) Adäquanzzusammenhang b) Risikozusammenhang c) Rechtmäßiges Alternativverhalten II. Rechtswidrigkeit a) Rechtfertigungsgründe b) Irrtümliche Annahme eines rechtfertigenden Sachverhalts III. Schuld Schuldfähigkeit Unrechtsbewusstsein keine Entschuldigungsgründe besondere Schuldmerkmale
Versuchsprüfung (§ 15)
I. Tatbestand Nichterfüllung des objektiven Tatbestands Voller Tatentschluss (Tatbildvorsatz + erweiterter Vorsatz) Ausführungshandlung/ausführungsnahe Handlung Tauglichkeit a) untauglicher/tauglicher Versuch b) absolut/relativ untauglicher Versuch II. Rechtswidrigkeit III. Schuld IV. Rücktritt (§ 16) kein fehlgeschlagener Versuch beendeter/unbeendeter Versuch Rücktrittsverhalten Freiwilligkeit
Fahrlässigkeitsprüfung
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Handlung b) Erfolg c) Kausalität d) Objektive Sorgfaltswidrigkeit Subjektiver Tatbestand a) Subjektive Sorgfaltswidrigkeit Objektive Zurechnung Erfolg a) Adäquanzzusammenhang b) Risikozusammenhang nachträgliches Fehlverhalten des Verletzten nachträgliches Fehlverhalten eines Dritten c) Rechtmäßiges Alternativverhalten Handlung d) einverständliche Fremdgefährdung e) freiwillige Selbstgefährdung II. Rechtswidrigkeit III. Schuld Schuldfähigkeit Unrechtsbewuss…
Unterlassungsprüfung eines versuchten unechten Unterlassungsdelikts (§§ 15, 2)
I. Tatbestand Nichterfüllung des objektiven Tatbestands Voller Tatentschluss Ausführungs- bzw ausführungsnahe Handlung a) Handeln durch Unterlassen b) Unterlassen des gebotenen Tuns trotz tatsächlicher Handlungsmöglichkeit Tauglichkeit Garantenstellung allenfalls Gleichwertigkeitskorrektiv II. Rechtswidrigkeit III. Schuld IV. Rücktritt (§ 16) kein fehlgeschlagener Versuch Vornahme des gebotenen Tuns Freiwilligkeit
Prüfung der Bestimmung zum Versuch (§§ 12 zweiter Fall, 15)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Versuch des unmittelbaren Täters b) Vornahme einer Bestimmungshandlung c) Erwecken eines Handlungsentschlusses beim unmittelbaren Täter Subjektiver Tatbestand a) Vorsatz bezüglich aller Umstände des objektiven Tatbestands, allenfalls erweiterter Vorsatz b) Vollendungsvorsatz c) Bestimmungsvorsatz Objektive Zurechnung II. Rechtswidrigkeit III. Schuld IV. Rücktritt (§ 16) kein fehlgeschlagener Versuch beendeter/unbeendeter Versuch Rücktrittsverhalten Freiwil…
Prüfung des sonstigen Beitrags zum Versuch (§§ 12 dritter Fall, 15)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Versuch des unmittelbaren Täters b) Vornahme einer Beitragshandlung c) Förderung der Tat des unmittelbaren Täters durch die Beitragshandlung Subjektiver Tatbestand a) Vorsatz bezüglich aller Umstände des objektiven Tatbestands, allenfalls erweiterter Vorsatz b) Vollendungsvorsatz c) Beitragsvorsatz Objektive Zurechnung II. Rechtswidrigkeit III. Schuld IV. Rücktritt (§ 16) kein fehlgeschlagener Versuch beendeter/unbeendeter Versuch Rücktrittsverhalten Freiw…
Prüfung des Bestimmungsversuchs (§§ 12 zweiter Fall, 15)
I. Tatbestand Kein Versuch des unmittelbaren Täters Voller Bestimmungsentschluss (Bestimmungs-, Tatbild-, Vollendungs- und erweiterter Vorsatz Bestimmungshandlung oder bestimmungsnahe Handlung Tauglichkeit II. Rechtswidrigkeit III. Schuld IV. Rücktritt (§ 16)
Unterlassungsprüfung eines vollendeten unechten Unterlassungsdelikts (§ 2)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Erfolg b) Nichtvornahme des gebotenen Tuns c) tatsächliche Handlungsmöglichkeit d) hypothetische Kausalität e) Garantenstellung Subjektiver Tatbestand a) Vorsatz, erweiterter Vorsatz Objektive Zurechnung a) Objektive Zurechnung des Unterlassens (Gleichwertigkeitskorrektiv) b) Objektive Zurechnung des Erfolgs II. Rechtswidrigkeit III. Schuld Schuldfähigkeit Unrechtsbewusstsein Zumutbarkeit Irrtum über die Garantenstellung a) Vorwerfbarkeit
Unterlassungsprüfung eines echten Unterlassungsdelikts (§ 95)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Unglücksfall/Gemeingefahr b) Unterlassen der offensichtlich erforderlichen Hilfeleistung c) Tatsächliche Möglichkeit der Hilfeleistung d) Gefahr des Todes, etc. Subjektiver Tatbestand II. Rechtswidrigkeit III. Schuld
Prüfung bei irrtümlicher Annahme eines rechtfertigenden Sachverhalts (§ 8)
Vorliegen des Irrtums Erfüllen der restlichen Merkmale des betreffenden Rechtfertigungsgrundes Konsequenz: Fahrlässigkeitshaftung a) Vorliegen eines entsprechenden Fahrlässigkeitsdelikts b) abgekürzte Fallprüfung: einziger Bezugspunkt der Fahrlässigkeit ist das Geraten in den Irrtum unter I. Objektive Sorgfaltswidrigkeit des Geratens in den Irrtum unter II. Subjektive Sorgfaltswidrigkeit des Geratens in den Irrtum unter III. Zumutbarkeit des eingehenden Irrtums der Situation
Prüfung bei erfolgsqualifizierten Delikten
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Tathandlung b) Erfolg c) Kausalität d) Erfolgsspezifische Sorgfaltswidrigkeit e) Objektive Zurechnung des Erfolgs Subjektiver Tatbestand a) Vorsatz hinsichtlich der Tathandlung b) Subjektive Fahrlässigkeitselemente hinsichtlich des Erfolgs II. Rechtswidrigkeit III. Schuld
Unterlassungsprüfung eines fahrlässigen unechten Unterlassungsdelikts (§ 2)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Erfolg b) Nichtvornahme des gebotenen Tuns c) Tatsächliche Handlungsmöglichkeit d) Objektive Sorgfaltswidrigkeit e) Hypothetische Kausalität f) Garantenstellung Subjektiver Tatbestand a) Subjektive Sorgfaltswidrigkeit Objektive Zurechnung a) Objektive Zurechnung des Unterlassens b) Objektive Zurechnung des Erfolgs II. Rechtswidrigkeit III. Schuld Irrtum über die Garantenstellung a) Vorwerfbarkeit
Unterlassungsprüfung eines echten Unterlassungsdelikts (§ 94)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand Tatsubjekt a) Verursacher einer Körperverletzung (§ 14 Abs. 1 S 2) Tatobjekt b) durch Vortat verletzter hilfsbedürftiger Mensch Tathandlung a) Unterlassen der offensichtlich erforderlichen Hilfeleistung c) Tatsächliche Möglichkeit der Hilfeleistung Abs. 1: Kein Taterfolg; Abs. 2: erfolgsqualifiziertes Delikt Subjektiver Tatbestand a) Nachschaupflicht (entfällt, wenn man sich sicher ist) II. Rechtswidrigkeit III. Schuld
Prüfung bei der Beteiligung
Allgemeindelikt oder Sonderdelikt unrechtsgeprägtes oder schuldgeprägtes Sonderdelikt a) unrechtsgeprägt aa) unrechtsgeprägtes Sonderdelikt: Extraneus als unmittelbarer Täter ab) eigenhändiges Sonderdelikt: Intraneus muss Tat selbst ausführen ac) Sonderpflichtdelikt b) schuldgeprägt
Prüfung des vollendeten sonstigen Beitrags (§ 12 dritter Fall)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Vornahme einer Beitragshandlung b) Kausale Förderung der Tat des unmittelbaren Täters durch die Beitragshandlung c) Vollendung des objektiven Tatbestands durch den unmittelbaren Täter Subjektiver Tatbestand a) Vorsatz bezüglich aller Umstände des objektiven Tatbestands, allenfalls erweiterter Vorsatz b) Vollendungsvorsatz c) Beitragsvorsatz Objektive Zurechnung II. Rechtswidrigkeit III. Schuld
Vollendete Bestimmung (§ 12 zweiter Fall)
I. Tatbestand Objektiver Tatbestand a) Vornahme einer Bestimmungshandlung b) Erwecken eines Handlungsentschlusses beim unmittelbaren Täter c) Vollendung des objektiven Tatbestands durch den unmittelbaren Täter Subjektiver Tatbestand a) Vorsatz bezüglich aller Umstände des objektiven Tatbestands, allenfalls erweiterter Vorsatz b) Vollendungsvorsatz c) Bestimmungsvorsatz Objektive Zurechnung II. Rechtswidrigkeit III. Schuld
Prüfung des Rauschdelikts gemäß § 287
Objektiver Tatbestand: Sich-Versetzen in Vollrausch (ab 2,5 Promille) Subjektiver Tatbestand: Vorsatz bezüglich der Herbeiführung des Vollrausches Objektive Bedingung der Strafbarkeit: Rauschtat, alle Voraussetzungen bis auf die Schuldfähigkeit müssen erfüllt sein Schuldfähigkeit Schuldfähigkeit: im Zeitpunkt der Berauschung schuldfähig
Vorüberlegungen bei der Fallprüfung
Abgrenzung der Handlungsabschnitte: Wer hat welche Handlung gesetzt? Kommt auch eine Strafbarkeit wegen Unterlassen in Betracht? Rechtsgut: Welches Rechtsgut ist betroffen? Abgrenzung nach der Konkurrenzenlehre Vorsatz: Ist die Handlung durch den Vorsatz gedeckt? Welche Intention hatte der Täter? Erfolg: Welcher Erfolg ist eingetreten? War der Erfolgseintritt vom Vorsatz gedeckt? War die Handlung für den Erfolg kausal? Beteiligung: Kommt eine Beteiligung in Betracht?